Octoprint (Octopi) auf dem Raspberry Pi am Ender 3 (Pro)

Dieser Artikel ist ein Teil meiner Serie zum Creality Ender 3 Pro. Für die Auflistung aller bisherigen Artikel der Serie hier klicken!

Heute erkläre ich, wie man auf einem Raspberry Pi die Software Octoprint installieren kann, um für seinen 3D-Drucker (in meinem Fall ein Creality Ender 3 Pro, die Anleitung sollte aber von jedem auch auf andere Geräte transferiert werden können) einen eigenständigen Druckserver bereit zu stellen. Vorteile dadurch gibt es so einige: Man kann seinen Drucker über den Browser bedienen, muss für die Druckdaten nicht mehr mit SD-Karten hantieren und es gibt unzählige Plugins die weitere Funktionen zur Verfügung stellen. Auch eine Überwachung per Kamera ist so problemlos möglich! Finales Ziel wird es sein, den Drucker auf die Firmware „Klipper“ umzurüsten. Hierfür ist die Verwendung von Octoprint Voraussetzung. Die entsprechende Anleitung hierzu wird folgen…

Was benötigt man nun zur Installation von Octoprint?

Wer noch nichts davon hat, kann sich auch überlegen eines der vielen verfügbaren Starter-Sets☆ zu kaufen, da ist dann in der Regel alles dabei was man braucht, incl. Gehäuse (welches der Optik dient, aber natürlich auch selbst gedruckt werden kann, siehe weiter unten).

Beginnen wir mit der Installation:

Zuerst brauchen wir als Grundlage die Software Octoprint, also laden wir diese einfach von der Seite herunter (Direktlink zur aktuellsten Version) und kopieren sie mithilfe der Software Rufus, balenaEtcher oder Win32DiskImager, auf die Micro SD-Karte.

Wenn der Raspi mit einem Netzwerkkabel eingebunden werden soll, ist die Installation damit schon abgeschlossen, soll die Einbindung über WLAN erfolgen, muss nach dem Erstellen der Karte diese erneut mit dem Computer verbunden und die Datei „wpa-octopi-supplicant.txt“ geöffnet werden. Hier gibt es einen Absatz „## WPA/WPA2 secured„. In diesem einfach bei allen vier Zeilen die führenden # entfernen. Die Werte „ssid“ (Name des eigenen WLAN) sowie „psk“ (Passwort des eigenen WLAN) müssen natürlich auch entsprechend angepasst werden (die „“ hierbei nicht entfernen!).

Nach dem speichern der Datei kann die Karte vom PC entfernt und im Raspberry Pi eingesteckt werden (Datenträger ordnungsgemäß auswerfen nicht vergessen 😉 ). Nun nur noch den 3D-Drucker mit dem Raspberry verbinden und den Micro USB-Stromstecker anschließen, das Gerät startet automatisch!

Nach ca. 1 Minute ist der Pi gestartet und wir können auf dessen Web-Oberfläche zugreifen (einfach im Browser http://IP-Adresse eingeben). Die IP-Adresse könnt Ihr Eurem Router entnehmen. Je nach Konfiguration des Netzwerkes sollte auch ein Zugriff über http://octoprint.local möglich sein!

Wenn der Pi unerreichbar bleibt, kann man an den HDMI-Anschluss einen Monitor anschließen. Hier wird nach dem Start die IP-Adresse angezeigt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist ein Fehler in der Netzwerkkonfiguration vorhanden (WLAN-Daten falsch eingegeben?).

Wenn alles funktioniert hat, öffnet sich beim ersten Aufruf von Octoprint automatisch der Setup Wizard. Hier können alle grundlegenden Einstellungen vorgenommen werden. Diese sind zum größten Teil selbsterklärend. Interessant wird es im Bereich „Default Druckerprofil“: Hier müssen wir unseren verbundenen Drucker konfigurieren. Für den Ender 3 (Pro) sind dies:

  • Allgemein
  • Name: wie Ihr ihn nennen wollt
  • Modell: diese Eingabe hat keinerlei Relevanz
  • Druckbett und -volumen
  • Formfaktor: rechteckig
  • Ursprung: unten links
  • Heizbett: ja
  • Beheizte Kammer: nein
  • Breite: 220 mm
  • Tiefe: 220 mm
  • Höhe: 250 mm
  • Die Einstellungen unter Achsen sowie Hotend & Extruder müssen nicht verändert werden.

Die Konfiguration ist nun abgeschlossen und Octoprint kann neu gestartet werden. Nach dem Neustart loggt man sich erneut ein und wählt auf dem Dashboard oben links den Anschluss aus, mit welchem sich der Raspberry mit dem Drucker verbinden soll (sollte nur einer vorhanden sein – nämlich „/dev/ttypUSB0„). Als Geschwindigkeit wird 115200 ausgewählt. Ich empfehle die Einstellungen gleich per Haken zu speichern sowie automatisch beim Serverstart zu verbinden. Dann „Verbinden“ anklicken. Im Feld „Status“ sollte dieser nach wenigen Sekunden auf „Bereit“ umspringen. Kurze Zeit später sind auch rechts die aktuellen Ist-Temperaturen zu sehen. Sollte die optionale Raspberry-Kamera angeschlossen sind, sieht man unter dem Tab „Steuerung“ bereits deren Bild!

Unten links ist der Dateibrowser für die GCODE-Dateien. Hier einfach das Ergebnis aus Eurem Slicer hochladen (ich verwende Ultimaker Cura, das bringt in meinem Fall die qualitativ hochwertigsten Ergebnisse und ist dazu noch kostenlos) und dann auf „Drucken“ klicken. Am Drucker selbst muss nichts mehr gemacht werden, er sollte nun hoch heizen und dann mit dem Druck beginnen!

Ich empfehle für die weitere Verwendung von Octoprint, sich einfach mal ein wenig durch die Menüs zu klicken. Die Software ist sehr umfangreich, aber in der Regel leicht zu verstehen. Viel Erfolg!

Thema Gehäuse: Es gibt einige Lösungen, den Raspberry in einem Gehäuse am Drucker unterzubringen, auch wenn theoretisch sogar ein Betrieb ganz ohne Gehäuse problemlos möglich ist. Es gibt „normale“ Gehäuse für den Raspberry, die man einfach neben den Drucker legen kann (z.B. im anfangs erwähnten Starter-Set ist ein solches vorhanden). Eine weitere Verbesserung sind Gehäuse, welche man selbst ausdrucken und irgendwo am Drucker-Rahmen befestigen kann. Diese habe ich nie getestet. Die in meinen Augen beste Lösung ist ein Gehäuse, welches voll integriert werden kann. Hier gibt es ein Beispiel auf Thingiverse zum runterladen. Dabei wird der Raspberry unter dem Display des Ender 3 (Pro) montiert, wo er quasi unsichtbar wird. Auch das Display ist so besser geschützt. Seitlich ist sogar eine Montagemöglichkeit für eine Kamera sowie einen Lüfter vorhanden. Leider stimmen die Abmessungen des Gehäuses nicht 100%. Das Display lässt sich hier nur mit Gewalt montieren, für den Anschluss des USB-Steckers am Raspberry muss das Gehäuse mechanisch bearbeitet werden. An meinem Drucker liegt es nicht, dieser ist genau kalibriert und ich kenne mehrere Personen mit identischen Problemen… Ich teste gespannt mal noch diverse erscheinende Remixes…

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